Max und das nichts

 

 

tedIch bin der Klinkenputzer und damit zwangsweise die lebende Geldbörse von Max. Das wiederum freut Max, denn beim Klinkenputzer geht es ihm regelmäßig gut (jedenfalls besser als Edna, aber die hustet sich im Moment eh jeden Tag gefühlt zu Tode). Viele (aber nicht alle) Wünsche werden erfüllt und damit wachsen leider auch seine Ansprüche. Einzelkind halt.

Erziehungstechnisch suboptimal? Kann sein, aber ich bin der Klinkenputzer. Ich darf das. Ich darf alles. Naja Edna töten darf ich nicht. Noch nicht. Aber das erledigt sich vielleicht von selber. Siehe oben.

Jedenfalls waren Max und ich des letztens auf der Kirmes. Kirmes kennt ihr? Das sind diese auf schnöden Kommerz ausgerichteten Fress-, Sauf- und Beklopptenveranstaltungen mit bunten Lichtern und einer Lärmbelästigung, die per Definition Musik sein soll. An diesen Tagen hat scheinbar dat ganze Gesockse ausse Stadt Freigang (ich gerate schon wieder in Pottslang. Tu ich immer, wennn ich mich aufrege.) und trifft sich zum Hartz4-Seminar. Schließlich muss man sich ja fachlich austauschen. Und auch Sozialleistungen wollen sinnig verpulvert werden, um ganz im Sinne der sozialen Marktwirtschaft selbige anzukurbeln. Sozial oder?

Die Kirmes an und für sich hat übrigens sogar mal kirchlichen Ursprung gehabt. Weiss aber in Zeiten von Break Dance, komischen Luftbällen mit darin gefangenen Kindern auf Wasser und Slush (fällt das eigentlich schon unter Lebensmittelvergiftung?) keiner mehr.

Aber zurück zum Thema:

Karussells interessieren Max eher weniger. Seiner Aussage nach fliegen da immer unerwarteterweise die Gondeln in die Menschen drumherum hinein. Stand in letzter Zeit öfter in der Zeitung und hat das Kind echt beeindruckt. Blöd sowas und verständlich irgendwie, dass Kind da kein Risiko fahren möchte. Brav. Und günstig für den Klinkenputzer.

So lustwandelten Max und ich auf besagtem Platz des Kommerzes und Max meldete schon genau an, was er wie zu essen gedenke. “Also erst will ich ein Fischbrötchen (natürlich musste es Lachs sein) aber dann will ich auch noch was richtiges essen!”. Wie? Falscher Fisch oder wie? Unter was richtigem versteht Max seiner Definition nach mindestens ein schönes großes, saftiges Steak vom Grill. Wer hat dieses Kind eigentlich (v)erzogen?? Ich versteh das nicht…

Letzten Endes landeten wir nach vollzogenem Mahl (vollzogenen Mahlen) in diversen Gängen zum Schluss noch am Dosenstand, wo es galt, selbige abzuwerfen, um irgend etwas, von dem dort ausgestellten Chinaspielzeug zu ergattern und sich zwischen Schrott und noch schrottigerem Schrott zu entscheiden. Bei dem von Weichmachern verseuchten Zeugs eigentlich ein Grund, nicht die Dosen, sondern das Spielzeug abzuwerfen. Aber ich will dem Kind seine Freude ja auch nicht weich machen.

Mit Entscheidungen ist es dann allerdings so eine Sache und als Max sich nach erfolgreichem Dosenballern etwas aussuchen sollte, herrschte lautes Schweigen. Selbst die Dosenwurfbudeninhaberin konnte mit ihren sicherlich gut gemeinten Tipps Max nicht zur Entscheidung drängen. Das Kind war die sprichwörtliche Ruhe selbst.

Bis er dann nach gefühlten Wochen schlussendlich allen Ernstes fragte: “Kann man auch nichts nehmen…?

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